Asienreise 2010/11, Blog, Kambotscha, Thailand

Von Roten Strassen und allgegenwärtigen Pyjamas…

Frisch erholt, geht es mit dem Velo weiter. Die Strassen in Thailand sind breit, wenig befahren und schön glatt asphaltiert. Die Fahrzeuge welche uns überholen, sind immer sehr sorgsam und halten einen grosszügigen Abstand. So können wir uns ganz auf die wunderschöe Landschaft konzentrieren. Auf unseren ersten paar Kilometern begegnen wir bereits den ersten Tourenfahrern. Ihre dreimonatige Reise, hauptsächlich durch Kambotscha, geht langsam dem Ende zu. Gut für uns, so können Sie uns nähmlich einiges über das Land erzählen. Und sie hatten nur Gutes zu berichten. Sie waren begeistert von Kambotscha…

Am nächsten Tag erreichen wir die kambotschanische Grenze. Wir haben bereits vernommen, dass die Grenzwächter hier “etwas” korrupt seien… Und tatsächlich, anstatt der offiziellen 20 Dollar pro Visa, verlangen die Damen und Herren je 40 Dollar. Aber nicht mit uns… Nachdem wir freundlich lächelnd nach einer Quittung fragen, werden die Beamten plötzlich verhandlungsbereit, und wir handeln den Preis für die beiden Visas auf 45 Dollar runter. Feilschen wie auf dem Markt ist angesagt. Willkommen in Kambotscha!

Von den Behördenproblemchen abgesehen ist Kambotscha aber ein wunderschönes Land mit sehr freundlichen Leuten. Da wir mit dem Velo relativ langsam unterwegs sind, bekommen wir diese Gastfreundschaft täglich zu spüren. So werden wir den ganzen Tag von winkenden Kindern und “Hello-Byebye” Rufen begleitet. Es kommt auch schon mal vor, dass ein Töfffahrer mit offenem Mund an uns vorbeifährt, weil er einfach nicht begreifen kann, was wir hier machen.

Bezüglich Essen ist Kambotscha aber ein Rückschritt nach der frischen Küche Thailands. Per Velo haben wir nicht immer die grosse Wahl und müssen meist mit den Essenständen am Strassenrand vorlieb nehmen. Dort gibt es immer Reis mit Fleisch, welches man aus einem der zahlreichen Töpfe auswählen kann. Neben den zum Teil undefinierbaren Gerichten gibt es aber meist auch einen Topf mit einem feinen Crevetten-Gemüse Gericht. Fleisch hat sich sonst nicht wirklich bewährt, da der Knochen- und Fettanteil meist den Rest überwiegt ;-) Trotz unseren Bedenken bezüglich Hygiene sind wir in Kambotscha bis jetzt gut davongekommen. „Holz alaenge…“

Ohne Sprachkenntnisse gestaltet sich die Hotelsuche immer etwas schwierig. Aber mit Hilfe von Händen und Füssen, haben wir bis jetzt immer eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden. In einem Dörfchen abseits der Touristenroute, finden wir ein ganz besonderes Projekt. Einheimische Volunteers haben sich zusammengeschlossen um ein touristisches Produkt zu entwerfen. Geplant sind geführte Wanderungen und Ausritte mit Elefanten im Nationalpark. Übernachten sollen die Touristen in Homestays. Fünf Familien sind bereits dafür rekrutiert worden und warten auf die ersten Gäste. Natürlich wollen wir uns diese Chance nicht entgehen lassen und übernachteten sozusagen als Testpersonen bei einer sehr netten Familie. Die Verständigung ist nicht ganz einfach, aber erstaunlicherweise erfüllen unsere Gastgeber all unsere Wünsche noch bevor wir sie aussprechen können… Nacheinander werden Ventilator, Moskitonetz, Frottetücher und Tee gebracht. Der Service ist besser als in manch einem Hotel!

Am Abend werden wir von den Projektverantwortlichen spontan zum BBQ eingeladen. Sie haben einen Volunteer zu verabschieden und wollen bei dieser Gelegenheit auch gerade den Start des Projektes feiern. Von frischen Muscheln, gegrillten Fischen bis hin zu Crevetten, gibt es alles was das Herz begehrt. Es ist sehr interessant mit den Beteiligten des Projektes zu reden. Ihre Einstellung ist beindruckend. Sie sprechen von Nachhaltigkeit, Naturschutz und über die Wichtigkeit die Meinung der lokalen Bevölkerung zu respektieren. Ziel ist es, der lokalen Bevölkerung ein Einkommen ohne illegales Jagen und Holzfällen ermöglichen.
Da sind Profis am Werk! Leider befindet sich das Projekt momentan noch in der Warteschleife, da der Staat die Bewilligung für Safaritouren im Nationalpark noch nicht erteilt hat.

Der Nationalpark steht als nächstes auf unserem Programm. Statt Asphalt gibt es nun rote Schotterpisten und die Brücken werden durch Fährboote ersetzt . Der Nebel, welcher an diesem Morgen herrscht, verleiht der Landschaft etwas Mystisches. Wir fahren an Dörfern, Auenwaelder und Seen vorbei. Die Landschaft ist wunderschön… Auf einmal wird die Idyle durch Hunderte von identischen Häusern gestört. Sie sind soweit man sehen kann und überall werden immerzu neue gebaut. Während wir uns noch wundern was es damit auf sich hat, treffen wir vier Franzosen, welche in Pnom Phen, der Haupstadt von Kambotscha, leben. Einer davon ist Journalist und hat gerade einen Bericht über den National Park geschrieben. Seine Recherchen sind erschütternd. Die gesamte Westküste des National Parks wird an chinesische Investoren verkauft, welche Luxushotels, Kasinos, Restaurants und sogar einen Flughafen planen. Die Familien welche bis anhin die Küste bewohnt haben werden mehr oder weniger zwangsumgesiedelt und leben nun zusammengepfercht in kleinen Bungalowsiedlungen im Inland. Sie erhalten zwar eine Entschädigung von rund 2000 Doller, verlieren dafür aber den Meeresanschluss und ihre Plantagen und somit ihre Lebensgrundlage. Hinzu kommt, dass sie durch die Umsiedlung ihre Trinkwasserreserve, welche Sie während der Regenzeit gesammelt hatten, zurücklassen müssen… Wie diese Menschen in Zukunft überleben sollen, interessiert anscheinend niemanden. Und das traurige an der Geschichte: Dies ist kein Einzelfall. Die Geschichte wiederholt sich im ganzen Land. Der Staat verkauft buchstäblich sein Land an ausländlische Investoren.

Nach einem langen und etwas holprigen Tag erreichen wir das Meer. Von hier nehmen wir ein Boot auf eine Insel, wo wir uns wieder mal von den Strapazen des Reisens erholen. :o) Die Insel ist sehr klein und beherbergt nur gerade einige einfache Bungalows, welche von Arian und Karim aus Genf geführt werden. Der Empfang ist herzlich und wir verbringen hier einige erholsame Tage mit sünnela, schnorchlä, böötle und relaxe. Das Essen ist auch eine Geschichte für sich. Klare Arbeitsteilung ist angesagt. Karim geht früh morgens mit der Harpune auf Fischfang und bringt zum Teil bis zu 4.5kg Fische zurück. Abends ist dann Arian am Zug und verwandelt den Fang in ein super Abendessen. Sogar Sushimi gibt es einmal! Und man glaubt es kaum, aber es ist wirklich wahr – sogar Corina hat Gefallen am Fischessen bekommen.

Gut erholt zieht es uns dann aber doch weiter. Anstatt der offiziellen Fähre nehmen wir ein Fischerboot welches regelmässig zwischen Thailand und Kambotscha pendelt und auch Passagiere mitnimmt. Am Hafen dösen wir in der Hängematte bis dann das Schiff nach Mitternacht einfährt. Schnell werden unsere Velos zwischen den Fischboxen verstaut und wir richten unsere Hängematte auf dem Freiluftdeck ein. Angenehm werden wir dann in den Schlaf “geschaukelt” und am frühen Morgen von den ersten Sonnenstrahlen geweckt.

Wieder auf festem Boden geht es dann mit dem Velo weiter. Überall begegnen wir herzlichen und aufgestellten Leuten.  Die Offenheit dieser Bevölkerung überrascht umso mehr, wenn man die Landesgeschichte kennt. Von 1974 bis 1979 wurde das Land von der Khmer Rouge (eine kommunistische Bewegung) regiert. Deren Ziel war eine kommunistische Gesellschaft zu schaffen. Nach dem Vorbild von Russland, China und Vietnam wurde die Stadtbevölkerung aufs Land deportiert, und unzählige Personen der Oberschicht gefoltert und ermordet.

Heute spürt man nichts mehr von all dem. Die Bevölkerung hat einen Weg gefunden mit der Geschichte des Landes umzugehen. Trotzdem hat der Krieg seine Spuren hinterlassen. So ist die Hälfte der Bevölkerung unter 16 Jahre alt!

Inzwischen sind wir in Pnom Phen, der Hauptstadt Kambotschas angekommen. Hier besuchen wir Museen, bestaunen die reich verzierten Tempel und geniessen den Luxus der Stadt.

Viele Gruesse aus dem Land wo die Frauen und Kinder auch am Tag im Pyjama rumlaufen…