Asienreise 2010/11, Blog, Myanmar

Mann trägt Rock

Schon an Flughafen wird uns klar: Myanmar ist anders! Männer tragen Röcke und kauen als eine Art Nikotinersatz Bettelnüsse. Die Frauen streichen sich lehmfarbenes Makeup auf die Backen, welches zugleich als eine Art Sonnencreme dient. Auch auf der Strasse ist alles etwas anders. Die Autos sind im Durchschnitt deutlich über 20 Jahre alt und wahre Dreckschleudern. Die wahrscheinlich minderwertige Treibstoffqualität trägt ihr übriges dazu bei, dass aus den Auspuffen dicker schwarzer Rauch quillt. Luft anhalten ist angesagt, wenn sich grosse Lastwagen bergauf an uns vorbeikämpfen.

Auch politisch funktioniert das Land etwas anders. So wurde zum Beispiel die Haupstadt bereits 20 mal gewechselt. Das letzte Mal ist nur gerade 5 Jahre her… Aber auch sonst hat die Geschichte Myanmars einige Kuriositäten zu bieten. Zum Beispiel herrscht hier Rechtsverkehr. Eigentlich nichts Besonders. Erst auf den zweiten Blick erkennen wir, dass die Fahrzeuge rechtsgesteuert sind und die Ampeln auf der falschen Strassenseite stehen. Ein Taxifahrer klärt uns auf: „Eines Tages hatte der König einen Alptraum, in dem er auf der rechten Strassenseite von einem Auto erfasst wurde. Um diese Prophezeiung zu verhinden, liess er per sofort die Fahrtrichtung von links auf rechts ändern. Und darum fahren wir heute auf der rechten Seite“.

Einen weiteren folgenreichen Kurzschlussentscheid fasste der König, als er aufgrund seiner Glückzahl 9 neu 45er und 90er Noten einführte. Im gleichen Atemzug erklärte er die bestehenden 50er und 100er Noten als ungültig. Dies vernichtete die Ersparnisse von vielen Leuten vom einen auf den anderen Tag.

Aber zum Reisen ist Myanmar perfekt, einfach etwas gross, sodass wir unmöglich die ganze Route mit unseren Velos bereisen können. So gehts von Yangon erstmal per Nachtbus 500km nach Norden, wobei „Bus“ eigentlich der falsche Ausdruck ist. Kühlschrank auf vier Rädern würde besser passen. Eingehüllt in Fleece und Goretex Jacke mit zugezurrter Kaputze halten wir uns warm und versuchen zu schlafen. Die Burmesen sind für die arktischen Temperaturen im Bus gerüstet. Viele haben Kappe, Winterjacke und Decke dabei. Auf die Idee, den Busfahrer zu bitten die Klimaanlage abzuschalten, kommt jedoch niemand…

Vom Flachland geht es steil hinauf zu einer ehemaligen „Hillstation“ der britischen Kolonialzeit. Eigentlich war der Plan den Aufstieg bequem per Zug zurückzulegen, allerdings fällt der heutige Zug aus. Unser Glück, denn hier auf dem Land fühlen wir uns wie in eine andere Zeit zurückversetzt. Ochsenkarren sind allgegenwärtig, Äcker werden noch mit Hilfe von Wasserbüffeln gepflügt und Strassenbau ist hier komplette Handarbeit. Trotz der interessanten Umgebung zieht sich die Strecke in die Länge und am späten Nachmittag fragen wir uns, ob wir das Hotel wohl noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen… Kurz darauf hält ein Pickup neben und an und fragt, ob wir mitfahren möchten. Gerne nehmen wir das Angebot an und legen die restlichen Höhenmeter vollklimatisiert und auf Polstersessel zurück. Dies sollte nicht das letzte Mal sein, dass unser „Retter in der Not“ erscheint, bevor wir überhaupt um Hilfe fragen können.

Unser erster Stopp ist gleichzeitig eine der grösseren Touristenattraktionen von Myanmar: Der Inlesee. Rund 80‘000 Menschen leben heute in Pfahlhäusern auf dem Wasser. Ihr Einkommen generieren sie hauptsächlich aus dem Gemüseanbau auf sogenannten schwimmenden Gärten. Seepflanzen werden geschnitten, zusammengeflochten und mit langen Bambusrohren im Boden verankert. Diese etwa einen halben Meter dicke Pflanzenschicht schwimmt nun im See, wird mit Humus bedeckt und bepflanzt. Das ganze funktioniert so gut, dass inzwischen grosse Mengen Gemüse auf dem Inlesee produziert werden.

Der Inlesee ist auch bekannt für seine Fussruderer. Die Fischer haben eine ganz spezielle Art zu rudern entwickelt, indem sie mit einem Fuss auf dem Boot stehen und das andere Bein zum Rudern benutzen. So bleiben beide Hände zum fischen frei.

Weiter Richtung Mandalay, der grössten Stadt im Norden, fahren wir auf einer wenig befahrenen Strasse, welche uns von den Einheimischen als „Abkürzung“ angepriesen wird. Die gesparten Kilometer müssen wir uns jedoch mit viel auf und ab auf ruppigen Strassen verdienen. Die Gegend ist jedoch wunderschön und entschädigt für die Strapazen. Grüne Felder bilden einen schönen Kontrast zu den roten Äckern. Überall werden wir von den Einheimischen begrüsst und ungläubig bestaunt. Nach einem Anstieg wartet sogar ein Motorradfahrer auf uns und bietet uns Wasser und eine Art burmesischen Powerriegel an. Im nächsten Dorf kommen wir dann in den Genuss von Wassermelone und Bananen.

Am Abend machen wir Bekanntschaft mit dem Dauerproblem der Velofahrer in Myanmar. In kleinen Dörfern sind die Unterkünfte oft nicht für Ausländer zugelassen. So stehen wir nun müde vor einem Gasthaus, dürfen aber nicht rein. Ein Passant hilft uns dann weiter und begleitet uns auf den örtlichen Polizeiposten. Die beiden Polizisten sitzen vor ihren grossen Rapportbuechern, kauen Bettelnuesse und scheinen nicht im geringsten an unserem Problem interessiert. Sie beharren darauf, dass wir weiterfahren. Unsere neuer Freund redet jedoch so lange auf die Polizisten ein, bis diese schliesslich ihre muendliche Erlaubnis geben. Erleichtet richten wir uns im einfachen Gästehaus ein.

Unsere Velos sind von den letzten Tagen total verdreckt. Als wir an einer Autowaschanlage vorbeifahren fragen wir spontan ob sie unsere Velos reinigen können. Zum Schnäppchenpreis von 50 Rappen werden unsere Velos abgespritzt, eingeschäumt, abgetrocknet und zuguter Letzt werden die Reifen noch mit Reifenschwärzer poliert. So macht Velofahren doppelt Spass und wir fahren in zwei sehr langen Tagen von Mandalay nach Bagan. Die Strasse ist jedoch neu geteert und zusammen mit dem Rückenwind fährt es sich fast wie von selbst.

Unterwegs verpflegen wir uns vom burmesischen Curry, welches sich als perfektes Veloessen erweist. Neben Reis und Fleischcurry werden noch unzählige weitere Beilagen aufgetischt. Und das Beste, es wird nachgeschöpft bis auch ausgehungerte Velofahrer pappsatt sind.

Bagan zählt zu Recht zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Südostasiens. So weit das Auge reicht stehen rote Backstein-Tempel verteilt. Im ganzen sollten es mehr als 2000 Stück sein. Mit Pferdekutsche machen wir uns auf den Weg das UNESCO Weltebe zu bestaunen. Es ist sehr interessant und vor allem sehr beindruckend zu sehen, wie gut die Tempel erhalten sind. Ganz besonders gefällt uns die Landschaft bei Sonnuntergang, wenn das Licht die Tempel sehr mystisch erscheinen lässt.

Nach all dem Velofahren und Sightseeing stehen einige ruhige Tage am Strand auf dem Programm. Baden, schnorcheln und relaxen ist die Devise. Der Strand ist wunderschoen und tagsüber menschleer. Die einheimischen Touristen kommen erst gegen Abend an den Strand. Dann geht die Party aber los… Mitsamt allen Kleindern wird ins Wasser gesprungen. Nach der Abkühlung startet dann das Abendprogramm mit öffentlicher Karaoke am Strand… Nicht gerade was wir uns unter einem ruhigen Strandurlaub vorgestellt hatten. So entscheiden wir uns den Strand zu wechseln. Wieder stellt sich dies als Glück heraus. Die Strasse führt uns am Meer entlang und immer wieder müssen wir Flüsse mit einer kleinen Fähre durchqueren. Der Strand ist dann auch wunderschön! Wir finden einen Bungalow direkt am Strand. Einfach perfekt!!

Viel zu früh mussten wir nach Bangkok aufbrechen. Obwohl wir uns auch hier nicht beklagen können. Wir haben eine wunderschöne Wohnung und sogar einen Pool auf dem Dach. Zudem konnten wir seit einem halbem Jahr wieder selbst kochen. Dies haben wir dann auch wirklich genossen: Inklusive Zopf und Mailänderli… :o)

Morgen geht es dann weiter Richtung Norden und dann Richtung Laos. Aber mehr davon beim nächsten Mal.

Informationen zum „Veloland Myanmar“ gibt es hier.