Asienreise 2010/11, China, Laos

Durch die abgelegenen Berge von Laos

Wir sind auf dem Rückweg…
Mit unseren Dreimonats-Chinavisum in der Tasche und zwei neuen Tretlagern in den Velos verlassen wir Vientane. Ab jetzt sind wir sozusagen auf dem Weg nach Hause… Einige Umwege haben wir aber noch eingeplant und ein paar Berge stehen wohl auch noch im Weg.
Um die Fahrt auf der eintönigen Hauptstrasse zu vermeiden, nehmen wir den Bus für den ersten Teil der Strecke. Nachdem wir mehr oder weniger erfolgreich über den Fahrpreis gefeilscht haben, werden die Velos auf das Dach gepackt und dann nichts wie los! Nach einer knappen Stunde beginnt es irgendwo zu rattern… Der Fahrer tuckert zur nächsten Dorfwerkstatt wo der Mechaniker einen Blick unter den Bus wirft. Etwas hämmern und schrauben und 5 Minuten später sind wir bereits wieder unterwegs. Und tatsächlich, es rattert nicht mehr! – Leider nicht sehr lange. 5 Minuten später fängt alles wieder von vorne an. Anscheinend ist das Kugellager hinüber. Fürs Erste ist also Endstation. Der Fahrer lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen, hält zwei vorbeifahrende Busse an und verteilt alle Passagiere in die bereits vollen Busse.. Ganz nach dem laotischen Grundsatz der auf alle Transportmittel zutrifft: Einer, einer, einer geht noch rein…  :o)

 

Wir sind auf jedenfall froh, dass wir am nächsten Tag wieder auf unseren Velos unterwegs sein dürfen. So haben wir wieder genügend Zeit die Landschaft richtig zu geniessen, das Geschehen am Strassenrand zu beobachten und den Kindern zuzuwinken.

Unterwegs kommen uns immer wieder vollbeladene Holztransporter entgegen. Da Holz in Laos zu den wichtigsten Exportgütern zählt ist der Urwald entsprechend gefährdet. Immer wieder sehen wir grosse Gebiete, die komplett abgeholzt wurden. Um den totalen Kahlschlag zu verhindern, hat die Regierung nun ein Exportverbot für unbearbeitetes Holz verhangen und mit der Aufforstung begonnen. Wie stark dieses Gesetz jedoch von der allgegenwärtigen Korruption umgangen wird ist fraglich…

Der längste Tag
„Positiv“ wirkt sich die Holzwirtschaft jedoch auf den Strassenbau aus. Wir profitieren von der sehr gut ausgebauten Strasse. Nach einigen Tagen ist es damit aber fertig! Die Strasse ist leider noch im Bau und es fehlen die meisten Brücken. Meist finden wir aber eine wacklige Bambusbrücke und durch die restlichen Bäche gehts zu Fuss.

Unangenehmer sind die sporadisch vorbeidüsenden Lastwagen, welche uns jeweils in einer dicken Staubwolke zurück lassen… Am Mittag schlägt dann auch noch das Wetter um. Es hat deutlich abgekühlt, es gibt kleine Nieselregen und der Gegenwind pfeift uns und um die Ohren. Gut tausend Höhenmeter später und ziemlich müde erreichen wir dann aber schlussendlich kurz vor dem Eindunkeln das Gasthaus. Für die neunzig Kilometer sind wir acht Stunden im Sattel gesessen. Unser längster Tag bis jetzt, und hoffentlich auch in Zukunft ;-). Die Besitzerin ist sehr herzlich und stellt uns im Restaurant sogar einen kleinen Kohleofen unter den Tisch, damit wir uns ein wenig aufwärmen können. Fast wie zu Hause auf dem Kachelofen. :o)

Plain of Jars & der geheime Krieg
Am nächsten Tag erreichen wir unser Zwischenziel Phonsavan. Hier können die Plain of Jars, zu Deutsch „Die Ebene der Steinkrüge“ bestaunt werden. Erstmal suchen wir aber eher ein Hotelzimmer mit warmer Dusche! Diese ist dann wirklich so heiss das wir gerade noch heisses Wasser in PET-Flaschen abfüllen und diese als Bettflaschen nutzen um unsere kalten Füsse zu wärmen ;-) Was will man mehr?!? :o)

In einem Cafe treffen wir auf Carol und Roman aus Bern, die auch mit dem Velo unterwegs sind. Zusammen verbringen wir den Nachmittag mit einigen wärmenden Kaffee und fachsimpeln ein wenig über’s Velofahren in Südostasien. Wegen dem schlechten Wetter haben wir genügen Zeit uns mit der tragischen Geschichte der Region auseinander zu setzen. Laos ist nämlich, bezogen auf die Bevölkerungszahl, das meist bombardierte Land der Welt. Durchschnittlich wurde während den Jahren 1964 bis 1973, während 24 Stunden, jede 8 Minuten eine Bombe über das Land abgeworfen. Das sind mehr Bomben als Amerika im gesamten zweiten Weltkrieg abgeworfen hat. Weil Laos von der Genferkonvention als neutral eingestuft war, wird der Krieg auch „geheimer Krieg“ genannt. Denn erst zwei Jahre vor Kriegsende würde bekannt, dass Amerika das Land überhaubt bombardierte…

Das Bombardement führt zurück auf den Vietnamkrieg. Da die Amerikaner Südvietnam besetzt hielten, war für die Vietnamesen die einzige Möglichkeit Material von Nord- nach Südvietnam zu transportieren über den Hoi Chi Min Pfad durch Laos und Kambotscha. Um diesen Zufluss zu stoppen bombardierte Amerika Laos. Da Teile der Zivilbevölkerung die vietnamesischen Truppen mit Essen und Übernachtungsmöglichkeiten unterstützten, wurden die Angriffe der Amerikaner, neben den militärischen Zielen, klar auch auf die Bevölkerung ausgerichtet. Ein Grossteil der Angriffe bestand aus sogenannten „Clusterbomben“. Das sind etwa 250kg schwere Bomben die bis 600 kleinere, tennisballgrosse Bomben enthalten und diese über ganze Landstriche verstreuen. Tausende Menschen würden dabei getötet. Die Restlichen flohen oder suchten Unterschlupf in umliegenden Höhlen. Diese Höhlen können heute noch besichtigt werden und es ist nur schwer vorstellbar, wie Tausenden von Menschen dort gelebt haben sollen…

Aber auch heute, fast 40 Jahre nach dem Krieg, sind die Spuren immer noch überall spürbar. Es wird vermutet, dass noch über 80‘000 Blindgängern in Laos verstreut sind. Diese haben seit dem Kriegsende zusätzlich rund 20‘000 Todesopfer gefordert. Die Organisation „MAG“ versucht nun die Bomben zu lokalisieren und zu zerstören. Zusätzlich versucht MAG die Bevölkerung auf die Gefährlichkeit der Bomben zu sensibilisieren. Denn es gibt hautpsächlich zwei Probleme mit den Blindgängern in Laos:

1. Mit dem Alteisen lässt sich sehr gut Geld verdienen. So wird regelmässig versucht Bomben auseinander zu nehmen und abzutransportieren. Vor allem Kinder werden zum „Bombensammeln“ eingesetzt. Metalldetektoren aus Vietnam gibts ab 15 Dollar…

2. Die Bomben sind überall: untern den Häusern auf den Feldern. Somit kann eine einfache Alltagsabeit, wie zum Beispiel das Pflügen der Äcker oder das Einschlagen eines Pfosten, tödlich enden.

Zudem sind die Aufräumarbeiten sehr umständlich und verlaufen sehr langsam. Auf einer Informationstafel fanden wir folgende, ernüchtende Aussage: „Wenn die Aufräumarbeiten so weiter gehen wie bis anhin, benötigt die MAG noch ungefähr 1000 Jahre bis alle Bomben entfernt sind. Wobei es nie möglich sein wird alle Blindgänger zu finden“.

Phonsavan hat jedoch auch weniger tragische Sehenswürdigkeiten. Die Bekannteste ist sicherlich „die Ebene der Steinkrüge“! Hunderte von Steinkrügen, mit einer Höhe von bis zu 3 Metern, sind an verschiedenen Orten verstreut. Wozu die Krüge genau gebraucht wurden ist bis heute unklar. Eine Vermutung ist, dass sie als Urnen fungierten… Fest steht auf jeden Fall, dass die Krüge 500 bis 200 Jahren vor Christus entstanden. Der Anblick ist wirklich sehr eindrücklich. Umsomehr wenn man sieht wie weit die Krüge transportiert werden mussten. Denn die gefundenen Steinbrüche sind kilometerweit entfernt.

Auf hügligen Wegen durchs laotische Veloparadies
Die nächsten paar Tage befinden wir uns im Veloparadies! Das Wetter ist perfekt, die Strassen geteert, es hat fast keinen Verkehr und die Landschaft ist spektakulär. Leider kann die Strasse nicht gerade als flach bezeichnen werden, und es gibt bis zu 2000 Höhenmeter pro Tag abzustrampeln… In einem Dorf, als es wieder mal steil rauf geht, spricht uns ein Laote an: Wohin fährt ihr?“ Als wir ihm unser Tagesziel angeben, meint er nur „das ist noch weit! Macht doch kurz eine Pause und kommt zu mir etwas trinken.“ Das Angebot nehmen wir natürlich gerne an. Kurz darauf sitzen wir in seiner „Stube“ und trinken ein Glas Wasser. Er erzählt uns dann, dass er Englischlehrer sei. Wie oft bei solchen Begegnungen zeigen wir ihm einige Fotos aus der Schweiz. Er ist besonders angetan von einem Photo von einem Tessiner Steinhaus. Er kann es kaum verstehen dass die Schweizer Häuser aus Stein und nicht aus Holz gebaut sind!

Feuchtfröhliche Gastfreundschaft
Da unser Visa ausläuft können wir nicht die gesamte Strecke fahren und müssen wieder auf den Bus zurückgreifen. An der Bushaltestelle begegnen wir Khai. Er wartet auf dem selben Bus wie wir und lädt uns kurzerhand auf ein Bier ein um die Wartezeit zu verkürzen. Aus 1 wird 2, 3, 4, 5… Irgendwann haben wir aufgehört zu zählen. Es ist erstaunlich was Laoten vertragen. Denn die meisten Flaschen hat er alleine oder in Gesellschaft vom Restaurantbesitzer getrunken. Aber natürlich wird nicht nur getrunken sondern auch gegessen. Von Fisch, Huhn, Reis über Papayasalat wird alles aufgetischt. Wir werden wie kleine Könige verwöhnt und verhätschelt! So viel zur laotischen Gastfreundschaft. Der Versuch für das Ganze zu zahlen war eben so hoffnungslos wie Khai davon abzubringen noch eine weitere Flasche Bier zu öffnen. Leicht angeheitert gehts dann schlussendlich in den verspäteten Bus… Eingepfercht zwischen Reissäcken und Gepäck ratterten wir über unzählige Pässe und kommen erst gegen Abend am Ziel an.

Chinesischer Grössenwahnsinn und kulinarische Genüsse

In zwei weiteren Tagen gehts an die Grenze zu China. Grösser könnte der Kontrast wohl nicht sein. In Laos säumen einfache Bambushüttchen die Strasse, hier fahren wir durch eine pompöse Märchenwelt von neu aus dem Boden gestampften Hotels, Casinos, etc. Der Highway erinnert an die Gotthardautobahn, und verläuft zu einem Grossteil auf Viadukten und führt durch einige Tunnels. Die alte Strasse nebenan ist jedoch gottverlassen und meist begegnen uns nur 1-2 altersschwache Traktoren pro Stunde.
Nach einem ersten kleinen Kulturschock gefällt es uns inzwischen sehr in China. Viele der Vorurteile vom rempelnden, herumspuckenden Chinesen sind masslos übertrieben. Die Verständigung ist zwar wirklich ein Problem, da wir trotz unserem Lernwillen Mühe haben die Wörter richtig zu betonen… Aber auch mit Hand und Fuss klappt die Verständigung ganz ordentlich. Bis jetzt haben wir auf  jeden Fall immer ein Hotelzimmer und etwas gutes zu Essen bekommen. Essen ist hier sowieso super und vor allem überall erhältlich. Am morgen gibt es meistens Essensstände mit gedämpften Brötchen die mit Honig, Gemüse oder Fleisch gefüllt sind, Mittags und Abends gehen wir meist in ein Restaurant, zeigen auf 2-3 Zutaten und haben kurze Zeit später 2 oder drei feine Gerichte auf dem Tisch. Die Chinesen sind im Grossen und Ganzen wirklich unkompliziert und es macht Spass hier zu Reisen. Bezüglich Velofahren ist es sicher vorteilhaft dass wir uns im gering bevölkerten Südwesten befinden. Die Strassen hier sind nur wenig befahren und wir müssen uns nicht durch irgendwelche Millionenstädte quälen.

Bis jetzt also (abgesehen vom wässrigen Bier) ein positives Fazit. ;-) Wir halten euch auf dem Laufenden…..