Asienreise 2010/11, Blog, China

Donnerwetter mit Happyend

In kurzen Hosen und dem wärmsten Wetter seit Wochen verlassen wir Garze. Dass es bald anders zu und her gehen wird haben wir bereits durch den Wetterbericht von den Schweizer Wetterfröschen von meteoblue.ch erfahren. Regen, Regen und nochmals Regen ist angesagt… Glücklicherweise sollten die Meteorologen nicht ganz Recht behalten… Der Regen kommt oft  nur in der Nacht, wenn wir im trocknen Zelt liegen, oder dann aber als ein kurzes Gewitter um die Mittagszeit. Nachdem wir das erste Mal verregnet werden, kennen wir das Spiel und werfen kurzerhand unser Überzelt über unsere beiden Velos, wenn eine dunkle Wolkenfront auf uns zukommt. So überstehen wir die Regenschauer verhältnismässig gemütlich im Trocknen und vertreiben uns die Zeit mit Mittagessen kochen… Nicht nur die Zweiradfahrer haben ihre Problemchen mit dem nassen Wetter, sondern auch die Lastwagenfahrer. Als wir langsam einen Pass hinauftrampen hören wir lautes Scheppern und Krachen und sehen aus den Augenwinkeln einen scheinbar führerlosen Lastwagen quer über die Passstrasse die Wiese hinunterdonnern. Im Bachbeet bleibt er schlussendlich stecken und glücklicherweise steigen beide Insassen unbeschadet aus…

Auch wenn das Wetter verhältnismässig erträglich ist, gehen die kühlen Temperaturen trotzdem an die Substanz. Es ist aber immer wieder erstaunlich wieviel Komfort sich aus unserem bescheidenen Gepäck hervorzaubern lässt. So wird das simple Zelt zu einer trocknen „Stoffvilla“, heisser Tee vom Benzinkocher und der dicke Daunenschlafsack bringen die Wärme in unsere Körper zurück. Wird es dann langsam dunkel sorgt das monotone Geräusch der Regentropfen für „en tüüfe, gsunde Schlaf“ ;-)

Die Städte und deren Bewohner dieser Gegend sind leider ein wenig ein Lowlight… Während sich in Südchina immer ein gutes und preisgünstiges Hotel finden liess, sind die Hotels hier verhältnismässig überteuert und haben meist kein fliessendes Wasser, geschweige eine heisse Dusche. Wie die Einheimischen auf Dauer damit leben ist uns schleierhaft und wir sind froh dass alle in dicke Fellmäntel gekleidet sind die neben Kälteschutz auch unsere Nasen von übermässigen Körpergerüchen schützen ;-) Wir wollen es ihnen nicht gleichtun und gönnen uns mit dem zweckentfremdeten Heisswasser aus den bereitgestellten Thermosflaschen eine warme „Bucketshower“…

Die tibetischen Cowboys welche diese trostlosen Betonstädte beleben sind auch nicht immer die angenehmsten Zeitgenossen. Ziemlich distanzlos belagern sie uns sobald wir irgendwo anhalten und und müssen natürlich umgehend Velo und Gepäck betatschen. Allerdings gibt es auch positive Ausnahmen. Als wir an der Tankstelle unsere Benzinflasche für den Kocher nachfüllen wollen, stellt sich der Tankwart stur und meint er könne keine so kleinen Mengen Benzin verkaufen. Nach einigem Hin und Her wird es einem Umstehenden zu dumm und er füllt uns die Flasche mit seinem eigenen Benzin auf. In einem weiteren Dorf suchen wir mangels Läden das Dorfrestaurant auf und suchen uns unter den Augen der Besitzerin die benötigten Lebensmittel direkt in der Küche zusammen. Als wir das Portmonee zücken winkt sie jedoch ab, und will keinen einzigen Juan von uns haben…

Das eigentliche Ziel dieser Etappe ist der heilige Berg „Amnye Machen“. Dieser 6000er wird von den Buddhisten zusammen mit drei anderen Bergen in Tibet als heilig erachtet. Indem die Gläubigen den Berg in einer 8-10 tägigen Wanderung umrunden, erhoffen sie sich ein besseres nächstes Leben. Auch wir wollen einen Blick auf den schönen Berg werfen und zweigen daher von der schön asphaltierten Hauptstrasse auf eine holprige Nebenstrasse ab. Durch eine wüstenähnliche Gegend kommen wir näher und näher zum Ziel. Als wir am nächsten Morgen aufwachen, merken wir aber sehr schnell, dass uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht. Dicke Flocken fallen vom Himmel und drücken schwer auf das Zeltdach. Schnell ist beschlossen, dass wir heute einen gemütlichen Zelttag einlegen. Mit Lesen, Weiterreise planen, Kartenspielen und viel Tee trinken geht der Tag dann erstaunlich schnell vorbei. Wie verweichlicht wir Europäer inzwischen sind, zeigt ein Blick aus dem Zelt. In strömenden Regen sitzt der Schafhirte draussen in der Kälte, nicht mal eine Regenjacke hat er an…

Das Warten hat sich schlussendlich gelohnt. Der Amnye Machen zeigt sich bei blauem Himmel von seiner besten Seite. Als wir am Mittag auf dem höchsten Pass ankommen bemerken wir, dass wir mehr Zeit mit Fotografieren als mit Velofahren verbracht haben… Eigentlich auch kein schlechtes Zeichen.

Nach gut zwei Wochen auf den Rädern freuen wir uns auf die verdienten Ruhetage in Maduo. Hier wird wie üblich relaxt, WARM geduscht, aber auch Wäsche gewaschen, Velo geflickt und natürlich eingekauft. Das Einkaufen stellt sich jedoch als eine richtige Herausforderung heraus. Zwar gibt es über ein dutzend Shops in diesem Dorf, allerdings gibts neben Softdrinks, Bier, Instantnudeln und einigen Bisquits nur ein sehr beschränktes Angebot. So vertreiben wir uns einige Zeit mit herumstöbern und austüfteln von kreativen Rezeptvarianten bis wir den Proviant für die nächsten sechs Tage zusammen haben. Weiter geht es nun nämlich durch einsames Nomadenland ohne Einkaufsmöglichkeiten.

Nach über 6 Wochen auf Höhen um 4000m fühlen wir uns nun pudelwohl in der dünnen Luft. Unser Blut ist wohl inzwischen so dick wie jenes eines gedopten Tour de France – Fahrers. An deren Etappenlänge kommen wir jedoch noch nicht ganz heran ;-)

Fotogallery am besten mit „Piclens“ anschauen.