Unterwegs durch Asien

Ein Blick zurück…

Seit gut zwei Wochen sind wir wieder zurück in der Schweiz und haben uns schon wieder gut eingelebt. Zeit um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen.

Genau 404 Tagen waren wir unterwegs! Wir sind von Zürich nach Asien geflogen ohne genau zu wissen was auf uns zukommen wird. Seitdem wir ein wenig nervös das Flugzeug bestiegen haben ist viel Zeit vergangen:
- Wir haben einige hundert Kilometer auf Trekkings zurückgelegt, waren 12’000km mit dem Velo unterwegs, sind über 29 4000er Pässe und 13 3000er Pässe geradelt, und je über eine handvoll 4 und 5000er Pässe getrekkt.
-Wir haben dem Wetter getrotzt: tropischen Temperaturen bei 40°C und  Graupelschauer und eisigem Wind bei minus 10°C.
- Wir sind von der dünnen Luft der 6000er in Ladakh bis hinunter in die Hitze der Wüste von Turpan auf minus 150m gereist.
- Wir haben rund zwei Liter Sonnencreme eingestrichen, etwa 15 Liter Benzin „verkocht“ und die Menge an gegessenen Teigwaren geschweige denn Reis, können wir nicht annähernt erahnen.

Auch unsere Velos hatten einiges zu ertragen… Es gab 20 Platten zu flicken, zwei Reifen haben wir durchgefahren, sechs Paar Bremsklötze durchgebremst, drei Paar Schuhe durchgetragen, zweimal ist ein Anlötteil vom Rahmen gebrochen und ein Kugellager hat sich in “Mus” verwandelt ;-)

Es war eine Reise mit vielen Facetten und eindrücklichen Erlebnissen, beeindruckender Gastfreundschaft und vielen neuen Begegnungen unter anderen Velofahrern und Reisenden. Wir wurden nie bestohlen, Dinge die vergessen gingen wurden uns „nachgetragen“ und abgesehen von einigen Touristen-Betrügereien bei denen es meist um ein paar Franken ging, sind wir ungeschoren davongekommen.

Neben einer Dampfkochtopf-Attacke auf meine Stirn, einer handvoll harmlosen Stürzen mit einigen Kratzern und einigen Magenproblemchen sind wir gesund geblieben. Verloren haben wir also nicht’s matrielles, dafür eine ganze Reihe von Vorurteilen. Besonders China hat sich als ein angenehmes Reiseland erwiesen und hat nicht viel mit dem zu tun was man in Europa über diesen “Beinahe-Kontinent” denkt.

Neben den 5000 Fotos bleiben auch unzählige Erinnerungen die sich meist nicht genau beschreiben lassen, aber uns wohl trotzdem geprägt haben. Ganz besonders haben wir auf unserer Reise immer wieder gemerkt wie gut es wir in der Schweiz haben. Soziale, politische und finanzielle Sicherheit sind beinahe eine Selbstverständlichkeit für uns. In Asien leben immer noch Millionen von Menschen die der Willkür ihrer Regierungen ausgesetzt sind und für die saubereres Trinkwasser aus dem Hahn ein ferner Traum ist. So jammern wir in Zukunft vielleicht etwas bedachter über die “unhaltbaren” Zustände in der Schweiz ;-)

Der grosse Kulturschock, der viele Bekannte prophezeit haben, ist bis anhin ausgeblieben. Neben Zügeln, Arbeit, Post erledigen, etc. ist vielleicht gar keine Zeit geblieben um der Reisezeit nachzutrauern.
Einen kleinen “Kulturschock” gibt es jedoch in der Form der derzeitigen politischen Stimmung. Als Ausländer im Bahnhof Zürich von “Masseneinwanderung-Stopp Plakaten” begrüsst zu werden ist sicher nicht die optimale Willkommensbotschaft. Wäre schön wenn die Stimmungsmache gegen Ausländer wieder gemässigte Züge annehmen würde. Im Moment ist das ganze Getue von unseren rechten Parteien nur noch peinlich, wenn ich zurückdenke wie wir in allen Ländern unserer Reise mit offenen Armen und völlig unvoreingenommen empfangen wurden… Höchste Zeit wieder ein wenig differenziert zu politisieren statt alle in einen Topf zu werfen und mit der Ausländerthematik Wahlkampf zu führen.

Nach einem Jahr als Velonomaden haben wir nun wieder in Luzern Fuss gefasst und geniessen den Komfort von eigenen vier Wänden. Mit der Wohnung von Cecile und Sämi, die im Moment in Südamerika unterwegs sind, haben wir für die nächsten drei Monate eine Bleibe gefunden. Ihr seit jederzeit willkommen uns an der Zähringerstrasse in Luzern zu besuchen!

Neben einigen Gedanken sollen lassen wir auch mit den Bildern die Reise nochmals Revue passieren. Aus 5500 Fotos eine Auswahl zu treffen ist allerdings nicht ganz einfach, daher diesmal eine etwas umfangreiche Galerie.

One Response

  1. Roland Holzer

    Hallo Corinna & Phillip,

    auf der Suche nach Infos ueber Tajikistan bin ich auf eure Website gestossen. Fliege Mitte Juli nach Dushanbe und werde mit dem Velo ueber den Pamirhighway nach Kirigistan fahren, fliege dann von Bishkek wieder nach Hause.

    Habe das Tajikistan Visum schon im Pass (von der Wiener Botschaft): Ich wusste dass man sich mit einem 30 Tage Touristenvisum nicht registrieren lassen muss und habe deshalb ein soches beantragt – allerdings habe ich ein Double Entry Visa – das war nur geringfuegig teurer. Wie ich allerdings jetzt aus euerem Blog erlese ist man dann mit einem Double Entry Visa dann doch wieder registrierungspflichtig. Ich habe unzahlige Websiten und Infos gewaelzt bevor ich das Visum beantragt habt, diese Information ist mir allerdings komplett neu ! Meine Frage deshalb: Woher habe ihr diese Information dass man mit einem 30 Tage Double Entry Tourist Visa registrierungspflichtig ist ???

    Gruss und Vielen Dank, Roland

    30. Mai 2012 at 01:05