Bikepacking Südamerika 2018, Peru, Südamerika 2018

Peru – Carretera Central nach Huancayo

 Die letzte Etappe der Peru Divide hat an der Carretera Central, einer sehr stark befahrenen ost-west Verbindungsstrasse geendet. Das Dorf Chicla ist nicht allzu ansprechend, sodass wir ein paar Kilometer nach San Mateo herunterfahren und in diesem relativ schoenen Doerfchen ein gutes Hotel finden. Per Wifi bringen wir uns wieder auf den aktuellen Stand, waschen unsere staubigen Kleider und bringen das Suessigkeiten-Defizit mit ein paar Stueck feiner Torte wieder ins Gleichgewicht. Daneben geniessen wir den schoenen Innenhof von unserem Hotel mit ein paar Stunden Nichtstun. 

Nur schwer koennen wir uns von dieser Oase losreisen. Mit dem Taxi geht es die stark befahrene Strasse ein paar Kilometer hoch. Mit dem Velo bergauffahren waere hier vom Verkehr her keine gute Idee. 

Bei etwas durchzogenem Wetter geht es einmal mehr gnadenlos den Berg hinauf. Der Steilheit entsprechend sind aber wenig Kilometer zurueckzulegen, sodass wir den Pass auf 4900m am spaeten Nachmittag erreichen. 

 

Die Gegend hier oben ist rauh, trotzdem gibt es ein paar Pflanzen die den harschen Bedingungen trotzen. 

 

    

Die letzten Meter bis zum Pass

                      

                

Eisig pfeift uns der Wind um die Ohren. Die mitgebrachte Toblerone mag uns mindestens innerlich etwas aufwaermen ;-)

 

Bei bereits tiefstehender Sonne machen wir uns an die Abfahrt. 

 

… und geniessen den schoenen Ausblick auf einen 5000er. 

 

Die verschiedenen Farbnuancen der Landschaft sind immer wieder beeindruckend. Allerdings sind unsere Finger und Zehen inzwischen ziemlich tiefgefroren, sodass wir uns eher darauf konzentrieren bald einen Campingplatz zu finden und bei einem heissen Tee wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. 

 

Der Morgen erwartet uns mit warmer Sonne und einem beeindruckenden Ausblick. 

 

 

Mit Rueckenwind geht’s weiter bergab. 

 

 

Der naechste Pass ist steil und fordert mit viel Geroell unser Gleichgewicht. Kurz und knackig…

 

 

Lamas in allen verfuegbaren Groessen-Versionen ;-)

Das Wetter verschlechtert sich zunehmend und wir entscheiden uns zuegig zum naechsten Dorf zu radeln um ein Hotel zu finden. Tatsaechlich beginnt die Sinnflut puenktlich als wir das Dorf erreichen. Nochmals Glueck gehabt…

Die Hotelausbeute ist jedoch ernuechternd. Schlussendlich finden wir ein Zimmer im lokalen Gemeindehotel. Wasser hat es aktuell gerade keines, die Inhaberin schleppt aber fleissig Eimer um Eimer Wasser vom Dorfbrunnen in das Bad. Aus einer warmen Dusche wird so leider nichts, dafuer gibt es einen warmen Willkommenstee und wir sind froh dass wir in dieser verregneten Nacht ein festes Dach ueber dem Kopf haben. 

 

Die kommenden zwanzig Kilometer sind der Hoehenpunkt der Woche. Bei stahlblauem Himmel fahren wir entlang einer Fluss- & Seenlandschaft, die an die Plitvicer-Seen in Kroatien erinnert. 

 

 

Ueber diverse kleine Schwellen fliesst das kristallklare Wasser von einem Pool in den naechsten. 

 

Ganz die einzigen die das Spektakel geniessen sind wir nicht – erstaunlicherweise sind es aber ausschliesslich Peruaner, die zu dieser Sehenswuerdigkeit anreisen. 

 

 

Vierbeiniger Mitfahrer

 

Die Landschaft gefaellt uns so sehr, dass wir sogar, entgegen unseren Vorsaetzen, unsere beladenen Velos fuer einen Moment unbeaufsichtigt auf dem Parkplatz zuruecklassen um einen Spaziergang zu machen. 

 

Der Spaziergang zum Fluss herunter lohnt sich auf jeden Fall. 

 

 

 

Passend zur Flusslandschaft gibt es zum Zmittag „Trucha fritta“. 

 

Mit Sicht auf unzaehlige Inka-Terrassen geht es nun wieder bergauf. 

 

 

„Massentierhaltung“ a la Peru ;-)

 

Dieser Pass hat es dann richtig in sich. Trotz unserer „Grossmutter-Untersetzung“ kommen wir an den steilsten Stuecken kaum mehr vom Fleck und sind kurz davor das Bike zu schieben. Gluecklicherweise haben wir unser Gepaeck auf ein Minimum reduziert, was das Ganze ertraeglicher macht. 

 

Die duenne Luft traegt ihr Uebriges dazu bei, dass wir ziemlich zu „beissen“ haben bis wir den Pass erreichen. 

 

Entsprechend froh sind wir als wir die Passhoehe auf 4980m erreichen. Knapp kratzen wir also an der 5000er-Grenze. Aber die 5000+ Paesse werden dann in Bolivien und Argentinien noch kommen…

 

Die mueden Beine haben nun eine Abfahrt verdient.

 


Ueber eine weite Hochebene geht es bei bewoelktem und kuehlen Wetter weiter bergab. Es ist bereits spaet und wir muessen noch eine Mine durchqueren bis wir wieder sauberes Trinkwasser zum Campen finden. Das Wasser rund um die Minen kann kontaminiert sein, darum machen wir da immer einen grossen Bogen drum. 

Im aufkommenden Schneefall sehen wir dann aber von weitem die Huetten von ein paar Hirten. Ein sicheres Zeichen fuer Wasser. Zu der langsam versiegenden Wasserquelle ist aber noch ein kurzer Marsch auf den naechsten Huegel noetig. Lange werden die Hirten mit ihren Herden wohl nicht mehr hier bleiben koennen – die Trockenzeit ist eben bereits fortgeschritten. 

Bei wieder besserem Wetter finden wir dann einen schoenen Campingplatz auf einer Hochebene. Bald faucht der Benzinkocher vor sich hin und wir waermen uns bei einem Tee aus Kokablaettern wieder auf. 

Am kommenden Morgen werden wir vom Geraeusch vom Schneefall geweckt. Der Blick aus dem Zelt ist nicht gerade motivierend. 

Noch weniger motivierend ist die Tatsache, dass unser Benzinkocher heute seinen Dienst verweigert. Das dreckige peruanische Benzin hat ihm den Rest gegeben. Ohne heissem Kaffee und mit einem kalten Haferbrei-Muesli statt einem warmen Porridge starten wir etwas zerknittert in den Tag :-(

Da unser Verpflegungskonzept ohne funktionierenden Kocher nicht mehr wirklich aufgeht, kuerzen wir die Etappe etwas ab und machen uns auf den Weg in die naechste Stadt.

 


Etwas „auf der Felge“ wegen der langen Etappe erreichen wir den letzten Pass und flitzen auf feinstem Asphalt herunter in die Grossstadt Huancayo. 

Huancayo ist fuer uns mit etwa 300’000 Einwohnern die seit Wochen groesste Stadt. Wir kommen zwar erst mit dem letzten Tageslicht an, freuen uns dann aber entsprechend ueber den Luxus der Stadt. Warme Dusche, weiches Bett, saftiger Hamburger, kuehles Bier und (natuerlich) ein grosses Stueck Torte zum Dessert :-)

 

Wir entscheiden uns bis nach Cusco den Bus zu nehmen. Erst geht es tagsueber in 9 holprigen Stunden nach Ayacucho, danach mit dem luxerioesen Nachtbus in 15 Stunden weiter nach Cusco. 

Unsere dreckigen Drahtesel bekommen vor der Reise von Ricardo noch ein liebevolles Wellnessprogramm und wir parallel noch ein paar Infos zur Fauna vom Urwald. Habt ihr gewusst, dass die Paranuss in einer Art Kokusnuss im Jungle von Peru waechst?