Bikepacking Südamerika 2018, Peru, Südamerika 2018

Peru – Zu Dritt um den Ausungante

Die Runde um den heiligen 6000er Ausangante steht schon lange auf unserer todo-Liste. Die Runde ist bekannt fuer schoene Singletrails und tolle Aussichten. Und natuerlich auch fuer ein paar Schiebepassagen. 

In Cusco uebernachten wir im Hostel Estrellina, dem inoffiziellen Velofahrer-Treffpunkt von Cusco. So bekommen wir ein paar letzte wichtige Infos und Bert aus der Romandie leiht uns sogar seine Therm-a-rest Matte aus. Er tritt mit seiner Freundin die Rueckreise in die Schweiz an und wir sind in Cusco mit einer defekten Exped-Matte „gestrandet“. Danke vielmals. 

Per Bus verlassen wir Cusco in Richtung Pitumarca. Die Busfahrt zieht sich in die Laenge und wir kommen erst nach dem Mittag auf’s Velo. 

 


Ueber Schotterstrassen fahren wir das Tal hinauf. Immer wieder gibt es interessante Hausbemahlungen zu sehen. Sei es Benzinwerbung…

 


oder Tierzeichnungen. 

 

Langsam wird das Tal enger. 

 

Ab und zu versperren ein paar Alpacas den Weg. Einige von ihnen haetten dringend einen Haarschnitt noetig :-)

Wir haben die Strecke etwas unterschaetzt und kommen erst nach dem Eindunkeln beim Campingplatz an. Dunkel wird es hier bereits um 18 Uhr…

Wir wollen morgen noch zum Touristenmagnet „Rainbow Mountain“ hinauffahren. Gemaess unseren Infos duerfen Velofahrer nur vor 7.30 starten, deshalb muessen wir direkt vor dem Checkpoint campen. 

 


Frueh ist deshalb Tagwache angesagt. Mit den ersten Sonnenstrahlen vor 6 Uhr stehen wir auf. Der Strassenmischling der uns seit gestern Abend gefolgt ist, freut sich sichtlich ueber einige Streicheleinheiten am Morgen. Wegen seinem verfilztem Fell wollen wir ihn eigentlich „Zottel“ taufen, aber dieser Name ist ja schon vom SVP-Maskottchen besetzt. Deshalb einigen wir uns auf „Struppi“ ;-)

 

Es kostet uns einige Ueberredungskunst, damit wir per Velo den Checkpoint passieren duerfen. Von der Regelung, die noch letzte Woche gegolten hat will man nichts mehr wissen. Mit etwas Glueck werden wir dann trotzdem durchgewunken. Es duerfte aber absehbar sein, dass die Strecke bald fuer Velofahrer gesperrt wird. Eigentlich schade, da der Weg zu etwa 80% fahrbar ist. 

 


Die restlichen 20% bestehen dann aber definitiv aus Schiebestrecke. 

 

Der Aufwand lohnt sich jedoch. Die Aussicht vom 5000m hoch gelegenen Aussichtspunkt ist super. 

 

Auch die Berge im Hintergrund sehen eindruecklich aus. 

 

Obwohl es erst halb acht Uhr ist, sind wir nicht die einzigen… 

 


Auf dem Berg treffen wir einen Einheimischen, der daran ist einen Weg in Richtung Nevado Ausangate zu verbessern. Er empfiehlt uns, statt wieder zurueck ins Tal zu fahren, direkt diese Abkuerzung zu nutzen. Nach einigen Abwaegen entscheiden wir uns fuer diese Variante. 

 

Tatsaechlich ist der Weg sehr lohnend und unser Ziel, den Ausangate, haben wir auch direkt vor uns. 

 

 


Uns wurde nicht zuviel versprochen. Der Weg ist einwandfrei.

 

Gestern hat es hier noch geschneit – Wir profitieren aber die naechsten Tage von perfektem Wetter. 

 


Jeder Singletrail hat ein Ende… Nun sind ein paar Hoehenmeter Schieben durch den Schnee angesagt. 

 

Es ist so anstrengend wie es aussieht. Die duenne Luft und Lebensmittelvorraete fuer drei Tage machen es nicht besser. 

 


Die letzten Meter schleppen wir Bikes und Gepaeck separat auf den Pass.

 

Der Pass ist erreicht und die Strapazen sind schon fast vergessen.

 

Yeah.

 

Rainbow Mountain im Hintergrund. 

 

Die verdiente Abfahrt. Unserer vierbeinige Begleiter duest Corina nach.

 


Etwas Orientierungssinn ist gefragt, aber wir werden immer wieder mit gut fahrbarem Singletrail belohnt. 

 

Wir erreichen die eigentliche Aussangante-Runde. Spontan entscheiden wir uns den Berg im Uhrzeigersinn zu umrunden, auch wenn grundsaetzliche eine Umrundung im Gegenuhrzeigersinn empfohlen wird. 

 

Gegen Abend verschlechtert sich das Wetter in den peruanischen Bergen klassischerweise. Wir sind froh, dass wir nach einer weiteren anstrengenden Schiebeetappe den Pass erreichen und auf einem fluessig zu fahrenden Singletrail noch ein paar Meter bis zum Campingplatz vernichten. 

 

Auch Struppi ist langsam erschoepft. Er nutzt jede Pause fuer einen kurzen Powernap ;-)

 

In der Nacht verziehen sich die Wolken und der Vollmond erhellt die Flanke des Ausangante. 

 

Trotz der naechtlichen Kaelte geniessen wir die Sicht auf die beiden Lagunen und den imposanten Berg. 

 

Struppi hat die Nacht trotz Minusgraden gut ueberstanden, ist aber sichtlich froh ueber die Morgensonne. Viel Urteilsvermoegen hat er jedoch nicht gezeigt, dass er ausgerechnet zwei Velofahrern gefolgt ist. Wir haben genug Essen fuer uns zwei dabei, aber nicht um noch einen Hund durchzufuettern. Etwas Brot opfern wir dann aber trotzdem. Kurz vor dem Verhungern scheint Struppi jedoch nicht zu sein – das Brot isst er recht zoegerlich…

 

Abwasch mit Aussicht. 

 

Camping vor eindruecklicher Kulisse. Ist das nun das sogenannte „Glamping“

 


Die Abfahrt fuehrt vorbei an weiteren Lagunen. Aus der Ferne sehen wir ein paar Herder-Huetten und eine Trekkinggruppe. 

 


… und natuerlich Alpacas und Lamas

 

 

Corina vor den Eismassen des Ausangante

 

Alles hat ein Ende… Nach der Abfahrt sind wieder ein paar Schiebeetappen angesagt. 

 

Struppi laeuft immer zwischen uns hin und her. Nicht das jemand verloren geht… :o)

 

Die Trail sind auch bergauf zum Teil gut fahrbar.

 

Immer wieder werden wir von den Alpacas interessiert gemustert.

 

Nach jedem Aufstieg folgt eine Abfahrt… 

 

Ein paar weglose Meter bevor wir wieder auf einen richtigen Trail treffen. 

 

Die Vegetation in dieser Hoehe ist spaerlich.

 

Seenlandschaft. 

 

Auch am zweiten Tag ziehen am Nachmitag wieder Wolken auf und wir machen uns auf die Suche nach einem geeigneten „Glampingplatz“

 

Ein kleiner Weiher am Wegrand – unglaublich wie klar das Wasser ist…

 

Heute sind wir etwas frueher dran – Zeit um die Kleider zu waschen. Verdiente Pause fuer Struppi.

 

Trotz etwas Bodennebel wird die Sicht frei auf einen eindruecklichen Sternenhimmel.

 


Erwachen beim ersten Tageslicht. 

 


Die Landschaft spiegelt sich im glatten Bergsee. 

 

 

Die Kleider sind noch nicht ganz parat zum anziehen :-) Aber die Morgensonne wird das bald aendern. 

 

Auch Struppi hat etwas Rauhreif auf seinem Nacken. Er macht jeweils ein paar Dehnuebungen um seine steifen Beine wieder in Schwung zu bringen :-) 

 

 

Heute steht der letzte, aber auch hoechste Pass auf dem Programm. Der erste Teil ist gut fahrbar. 

 

Dabei laesst sich sogar die Aussicht geniessen. 

 

Im Dreierteam unterwegs…

 

Der Pass rueckt naeher…

 

…gibt sich aber nicht so einfach geschlagen – erst ist nochmals eine happige Schiebeetappe angesagt. 

 


Nochmals eine Pause und etwas Studentenfutter fuer Mensch und Tier… Und natuerliche ein paar Streicheleinheiten.

 

Schweizer Steinboecke in den peruanischen Anden…

 

Die letzten Meter bis zum Pass. Wir geniessen nochmals die tolle Aussicht.

 

 

Der Pass ist erreicht. Unser erster 5000er in Peru. 

 

 

Wir haben’s und wir sind geschafft…

 


Obligates Gipfel-Selfie

Die Abfahrt beginnt… 

 

Nun arbeitet die Schwerkraft fuer uns. Struppi im Gegensatz muss sich nun sputen um uns zu folgen. 

 

Waehrend wir ein paar Selbstausloeser-Fotos machen, kann er sich gut erholen.

 

 

Im kleinen Kaff Chilca kommen wir wieder in der Zivilisation an – obwohl Zivilisation nur begrenzt zutrifft. Statt dem erhofften Restaurant mit einem guten Mittagessen gibt es nur einen kleinen Dorfladen mit trocknem Brot und einer Buechse Sardinen. 

 

Mit einem etwas schlechten Gewissen, dass wir Struppi so schlecht verpflegt haben, spendieren wir ihm zur Feier des Tages auch eine Buechse Fisch. Ihm scheint es zu schmecken und der Fisch ist in Kuerze weggeputzt. 

 

Seit heute Morgen haben wir uns Gedanken gemacht, wie es mit Struppi weitergehen soll. Waehrend den kurzen Etappen in den Bergen konnte er uns gut folgen, aber ueber 60-70km auf Schotterstrassen hat er keine Chance. Dies sehen wir bereits auf den letzten paar Kilometern als wir auf einer guten Strasse gut vorankommen. Immer wieder muessen wir auf ihn warten. Zudem kommt er in der Naehe von den Bauernhoefen immer wieder von den lokalen Hunden unter die Raeder. Ohne unser Eingreifen haette er wohl ein paar Fetzen von seinem struppigen Fell verloren…

Wir entscheiden uns, dass es fuer uns alle besser ist wenn wir wieder getrennte Wege gehen. Kurz vor dem Dorf ab dem uns Struppi gefolgt ist verabschieden wir uns schweren Herzens von unserem treuen Begleiter und treten kraeftig in die Pedale. 

Mach’s gut Struppi und erhol dich gut. Das naechste Mal folgst du besser einer organisierten Trekkinggruppe – die haben mehr zu essen fuer dich uebrig :-)