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Argentinische Puna und der Vulkan der Inka

So, unserer letzter Blogpost ist schon eine Weile her… Hier in Argentinien sind Internetcafes manchmal schwer zu finden – entsprechend sind wir in den letzten Wochen nicht zum Schreiben gekommen.

Im kleinen Wildwestdorf Tolar Grande ruhen wir uns eine Weile aus und klappern alle verfügbaren Läden des Dorfes ab. Unsere nächste Etappe wird zehn Tage dauern und entsprechend muessen wir einen Grosseinkauf an Lebensmittel taetigen. Solch ein Megaeinkauf ist gar nicht so einfach… Wir erstellen einen Menuplan und checken mehrmals ob wir wirklich an alles gedacht haben. Zehn Tage ohne Salz unterwegs zu sein waere nicht so cool, ein Nachtessen zuwenig einzuplanen ebenso ;-) Natuerlich nehmen wir Lebensmittel fuer einen Tag extra mit…

Am Abend gehen wir nochmals anstaendig im Restaurant essen… Wir treffen Elspeth und Jerry aus Schottland, die selber auch oft in Europa mit dem Velo unterwegs sind und aktuell mit dem Gelaendewagen eine Tour durch die Region machen. Herzlichen Dank euch beiden fuer’s begleichen der Rechnung.

So schwer bepackt wie noch nie rollen wir bereits früh am Morgen aus dem Dorf hinaus um den starken Winden am Nachmittag zuvorzukommen.

 

Kurz nach dem Dorf erhaschen wir endlich mal einen Blick auf den ominösen Zug, der hier noch ganz selten auf diesem vernachlässigten Schienennetz unterwegs ist.

 

Der Start ist gemächlich. Flach und ohne Wind rollen wir ueber den Salar de Arizaro. Wie nach dem Einkauf beim Baecker in Frankreich traegt Corina die Baguettes fuer den Lunch der ersten Tage im Rucksack ;-) Die Velotaschen sind bereits mit anderen Lebensmitteln prall gefüllt…

 

Farbenfrohe Hügellandschaften ergeben einen schoenen Kontrast zu dem Salzsee.

 

Der Wind frischt leider bereits am Vormittag auf und erschwert das Vorwaertskommen massiv. Zudem wird an der Strasse gebaut – der Bagger ebnet den Untergrund, aber die dadurch sandige Strassenoberflaeche fuehrt dazu dass wir noch mehr in die Pedalen treten muessen um voranzukommen…

 

Einmal mehr ist die Fahrt auf den Geleisen eine gute Alternative. Flach und nicht sandig.

 


Skurriles Grab mitten in der Wueste. Karl Wilmer, ein deutscher Seemann hatte wegen einer Zechtour in Buenos Aires am Atlantik sein Schiff verpasst. Um in Antafogasta in Chile am Pazifik wieder zuzusteigen hat er probiert 80km Niemandsland (wo derzeit die Bahnlinie zwischen Argentinien und Chile noch nicht fertiggestellt war) zu Fuss zu durchqueren. Nach zwei Dutzend Kilometern ist er bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt einsam erfroren. Siehe Artikel des Spiegels. 

 

Bald sehen wir zum ersten Mal den Vulkan Llullaillaco, den Vulkan der Inkas, den wir gerne besteigen moechten. Der Berg wurde weltbekannt, als Archäologen vor einigen Jahren die gut erhaltenen Körper von drei geopferten Kindern gefunden haben die zur Inkazeit den Göttern geopfert wurden. Wikipedia

 

Die Landschaft ist wild und eindrücklich. An die grosse Höhe haben wir uns längst gewohnt, was uns zu schaffen macht ist der Wind. Er tost durch die Gegend, rauscht uns in den Ohren und kommt zumindest subjektiv gefühlt immer von vorne..

 

Der Pflanzenbewuchs ändert mit dem Untergrund, der Exposition, etc.

 

Am spaeten Nachmittag kommen wir in einem Camp von einer Minenfirma an. Hier wird nach Lithium gesucht und geforscht ob ein kommerzieller Abbau lohnenswert ist.

Wir sind auf dieses Camp angewiesen, da wir dringend Wasser fuer die nächsten zwei Tage brauchen. Wir klopfen beim Chef des Camps, einem Norweger, an die Tuer und fragen nach Wasser und einem windgeschützten Platz zum campen. Leider hat er nicht wirklich ein Musikgehoer und laesst uns nicht auf dem Fussballplatz im Windschutz eines Wohncontainers campen.

So schlagen wir unser Zelt halt entsprechend gut abgespannt in der windigen Puna auf.

 

Am Morgen haben wir unerwarteten Besuch. Ein Wüstenfuchs schleicht um unser Zelt herum. Waehrend wir unseren Kaffee kochen rollt er sich nahe dem Zelt zusammen und beobachtet uns aus dem Augenwinkel.

 

Am Morgen machen wir nochmals einen Abstecher zum Kuechencontainer des Camps um unsere Wasserflaschen nochmals zu fuellen. Nun haben wir mehr Glueck. Die beiden argentinischen Koeche bitten uns zu Tisch und gemeinsam mit den Arbeitern geniessen wir ein zweites Fruehstueck. Die beiden lassen sich nicht lumpen und stellen uns kurzerhand noch ein stattliches Lunchpaket zusammen. Die Arbeiter sind jeweils fuer 20 Tage in der Puna am arbeiten und haben danach zwei Wochen frei. Um keinen Lagerkoller aufkommen zu lassen ist die Verpflegung 1A. Croissant zum Zmorgen haetten wir nicht erwartet ;-)

Es lebe Argentinien. Und Norwegen ….. Naja, lassen wir das…

 

Lunchpaket mit Schokolade, Guetsli, Aepfel, Nuesse, Suessigkeiten… Keine schlechte Überraschung mitten im Nirgendwo.

 

Wir queren den Salar de Llullaillaco, der Salzsee in dem nach Lithium gesucht wird.

 

 Salar de Llullaillaco.

 

Fuer den Abstecher zum Vulkan brauchen wir nicht alle Lebensmittel. Sorgfaeltig deponieren wir die ueberzaehligen Esswahren sicher vor Fuchs und Co unter vielen Steinen. Mit einem etwas mulmigen Gefuehl radeln wir in Richtung Llullaillaco – wenn die Maeuse unsere Vorraete aufessen wuerden, waeren wir etwas verloren…

 

Auf einer guten Piste geht es in Richtung Basecamp.

 

Salar de Llullaillaco im Hintergrund.

 

Die Gegend ist knochentrocken. Die einzige Wasserquelle ist der Schnee vom letzten Winter. Dieser schmilzt – typisch fuer Suedamerika – zu sogenannten Penitenties. (Spitzige Eiszacken)

 

Auf 4600m finden wir einen Windschutz. Dieser ist dringend nötig, denn der Wind ist wiedermal erbarmungslos.

 

Am nächsten Morgen geht es los ins Hochlager. Unsere Ausrüstung ist etwas eingeschraenkt, aber die zwei Stunden Wanderung lassen sich auch mit einem improvisierten Rucksack zurücklegen.

 

Zuerst auf sandigen 4×4 Tracks, dann weglos.

 

Einen windgeschützten Platz zu finden ist nicht einfach.

 

Schlussendlich finden wir aber einen grossen Felsen und graben uns eine flache Plattform zurecht.

 

Fertig ist das Hochlager.

 

Nun ist Schneeschmelzen angesagt. Dies braucht sehr viel Energie und somit viel von unseren beschraenkten Benzinvorraeten.

 

In Tolar Grande haben wir den letzten Tropfen Benzin des ganzen Dorfes aufgekauft, aber total nur 1.2 Liter bekommen. Fuer zehn Tage ist das sehr knapp. So lassen wir die Sonne fuer uns arbeiten. CO2-neutrales Schneeschmelzen sozusagen… :-)

 

Die Abendstimmung ist beeindruckend.

 

Aussicht von unserem Camp.

 

Der Aufstieg vom Basecamp von 4600m ins Highcamp auf 5300m war ein etwas grosser Sprung. Corina kaempft mit leichten Symptomen der Hoehenkrankheit… Wir legen einen zusaetzlichen Ruhetag ein und verbringen den Tag mit lesen und Podcast hoeren.

 

 Salar de Llullaillaco.

 

Dadurch, dass unsere Essensreserven eingeschraenkt sind koennen wir uns keinen zusaetzlichen Tag fuer ein Hochlager auf 5800m mehr leisten. Wir probieren daher den Gipfel in einem langen Tag von 5300m aus zu erreichen.

 

Langsam aber stetig geht es ueber Geroellfelder hinauf.

 

Langsam wird es steiler und etwas verblockter.

 

Das Gipfelcouloir kommt in Sicht.

Als wir es auf etwa 6450m Hoehe erreichen, werden wir (unerwartet) von einem grossen und steilen Schneefeld ueberrascht. Mangels Steigeisen entscheiden wir uns schweren Herzens die Gipfelbesteigung hier abzubrechen. Das Risiko auf dem harten Schnee auszurutschen waere zu gross. Und der Berg ist extrem abgelegen – es wuerde lange gehen bis die Bergrettung eintreffen wuerde – das naechste Dorf ist 200km entfernt und die Provinzhauptsstadt Salta etwa 500km.

Auch wenn wir mit einem Satellitenmessenger ausgeruestet sind ist uns das Risiko zu hoch.

Etwas niedergeschlagen machen wir uns an den Abstieg… Trotzdem war es wohl der richtige Entscheid.

 

Am nächsten Tag sind wir wieder wie gewohnt auf unseren Velos unterwegs. Das Essensdepot war unangetastet. Puh, Glueck gehabt….

 

Die Landschaft in der Puna ist selten monoton. Die Farbe des spärlichen Bewuchses steht im Kontrast zum stahlblauen Himmel.

 

Felsformationen und Vulkane in der Ferne ergaenzen das Bild.

 

Aber…. Der Wind ist spätestens ab dem Mittag stark. Dann ist die grosse Frage aus welcher Richtung er kommt. Wir sind froh als wir auf dem Pass die Richtung drehen und mit Rückenwind den Pass herunterrollen.

 

Es geht dem Salar Rio Grande entgegen. Unsere naechste Wasserquelle ist nicht mehr fern. Die verlassene Mine La Casulidad sollte eine verlaessliche Wasserquelle haben. Wie auch schon andere Velofahrer planen wir in der Kirche zu uebernachten – das einzige Gebaeude mit intaktem Dach und dadurch perfektem Windschutz.

Zelten ohne Windschutz (Gebaeude, Steinmauer, Canyon, etc) ist bei den windigen Verhaeltnissen chancenlos…

 

Schon aus der Ferne sind wir erstaunt einen grossen Car bei der Kirche zu sehen. Es ist bereits 18 Uhr und Touristen die in Tolar Grande uebernachten moechten, muessten eigentlich schon lange auf dem Rueckweg sein…

 

Zu unsere Überraschung ist die Kirche bereits voll besetzt. Einmal im Jahr kommen nämlich die ehemaligen Bewohner der Stadt zurück und verbringen hier ein Wochenende in ihrem ehemaligen „Dorf“.

 

Wir werden herzlich aufgenommen und zum Essen eingeladen. Die Argentinier sind aehnlich erstaunt uns zu sehen wie wir nicht erwartet haben jemanden anzutreffen an diesem gottverlassenen Ort. Es wir ein lustiger Abend an dem wir noch lange zurückdenken werden..

Am nächsten Tag ist das Dorf wieder wie ausgestorben. Unsere Freunde haben sich auf dem Rückweg nach Salta gemacht (24 Stunden Fahrt mit dem altersschwachen Reisecar). Jedoch nicht ohne uns eine Flasche Fanta zurückzulassen… :o)

 

Auch wir machen uns auf den Weiterweg. Zuerst fahren wir ueber einem Salzsee und geniessen die guten Strassen.

 

Die Landschaft ist wunderschön und erinnert uns ein wenig an die USA.

 

 

Als wir dann einen kleinen Fluss entdecken ist klar, das dies ein Ort zum campen ist. Wir geniessen einen ruhigen Nachmittag mit lesen und doesen und erledigen unsere Waesche im Bach.

 

Bei einer weiteren Runde Rommee hoeren wir ploetzlich ein Rascheln. Was wir erst dem Wind zuordnen, toent dann trotzdem mehr und mehr nach einem Tier.

 

 

Beim Blick aus dem Zelt sehen wir einen Wuestenfuchs, der um unsere Velos herumschleicht.

 

Richtig zielgerichtet war er nicht unterwegs. So hat er zwei Fetzen von Corinas Sattel abgebissen und einmal kraeftig in unsere Wasserflasche gebissen. Einfach ein paar Schluck Wasser aus dem Bach zu nehmen waere einfacher gewesen.

Die zerbissene Wasserflasche reparieren wir dann mit Sekundenkleber und einem Schokoriegelpapier ;-)

Hier sind wir auf jede Wasserflasche angewiesen.

 

Gut erholt, machen wir uns am nächsten Tag auf dem Weg. Der neue Tag startet mit einer unerwarteten Ueberraschung. Vor uns verwandelt sich die Schotterpiste in eine fast vertikale Sandpiste.

Die Piste mit wohl etwa 30-40% Steigung muss fuer jeden 4×4 Fahrer ein absolutes Testpiece sein. Fuer uns bedeutet sie Velos und Gepaeck einzeln die 100hm heraufzutragen…

 

Schieben bleibt eigentlich den ganzen Tag Programmhauptpunkt. Sandige Pisten soweit das Auge reicht.

 

Zum Glück haben wir einen steten Fanclub, welcher uns vom Strassenrand aus verfolgt.

…und so schiebt es sich fast von selbst.

 

Irgendwann werden die Strassen zum Glück besser.

 

und wir koennen einige Kilometer fahren…

 

Die Landschaft ist einmal mehr spektakulaer und natürlich sehr windig. Gerne wuerden wir unser Zelt aufbauen aber leider findet sich kein Windschutz.

 

Und so fahren wir noch um die nächste Kurve, und die naechste, und nochmals eine und…

 

Dafuer profitieren wir von der wunderschönen Abendsonne und geniessen die Aussicht.

 

Bis wir dann ein altes Gebäude finden. Inkl. Wohnraum, Garage und fliessendem Wasser ein paar Schritte entfernt ;-)

 

Weiter geht es bergab zur Oase Antafalla – der ersten bewohnten Ortschaft seit Tolar Grande.

 

Nach 11 Tag unterwegs, freuen wir uns auf den Luxus der Zivilisation. Unser Ziel ist es uns die letzten 1500 hm bis zur nächsten Stadt zu sparen und ein Transfer zu organisieren. Dies gestaltet sich jedoch als recht schwierig. Die Preise fuer den Pickup variieren von Minute zu Minuete. Irgendwie schaffen wir es uns dann aber zu einigen: Fahrt bis zur Passhöhe: Preis 1250 Pesos, Abfahrt um 18 Uhr. Als um 18.30 immer noch niemand da ist, fragen wir nach. Leider scheint der Fahrer verschollen und uns wir alles zu bunt. Wir suchen uns eine Unterkunft und verschieben den Transfer auf morgen. Am nächsten Tag starten wir dann nochmals einen Anlauf. Der Preis hat sich aber ueber Nacht verdreifacht. Unter 4000 Pesos finden wir nichts.

Also entscheiden wir uns zum selbst fahren. Nach der Hälfte des Anstieges bietet uns dann jemand spontan einen Platz im Pickup an. Ein Angebot, dass wir gerne annehmen…

So erreichen wir am Nachmittag Antofagasta de la Sierra und verbringen hier einige entspannte Tage.